Hanna, du machst dein FSJ im Museum – ist das nicht langweilig?

Die Frage stellen tatsächlich viele in meinem Umfeld, denen ich von meiner Einsatzstelle erzähle, denn die meisten denken, ich gebe lediglich Führungen und warte den Rest der Zeit nichtstuend ab, bis Besucher in´s Haus kommen. Das ist natürlich völliger Schwachsinn! Besonders im Museum gleicht kein Tag dem anderen – ob 120 Kinder gleichzeitig zum Workshop-Tag zu beschäftigen sind, Modedesigner aus Berlin mit uns ihre kommende Ausstellung besprechen, spannende Exponate in unsere Hauptzentrale nach Dortmund gebracht werden müssen, oder ich mit unseren Restauratoren 100 Jahre alte Schränke aus dem Keller ziehe, um diese von ähnlich altem Schmutz zu befreien und anschließend in die 4 Stockwerke höher liegende Ausstellung integriere – man weiß nie, was auf einen zukommt, oder was man spannendes in den Ecken liegend so findet, obwohl man doch eigentlich nur einen Zollstock sucht….

Von welchem Ereignis deines FSJs würdest du also noch in 10 Jahren berichten?

Das ist wirklich eine schwierige Frage…Ich denke auf jeden Fall von meinen absolut coolen Kollegen in der Einsatzstelle und den lustigen Freitagsmittagspausen, die ich immer mit den „Jungs“ unten aus der Werkstatt verbringe, weil oben im Büro an dem Tag keiner da ist. Während die sich über die Vorzüge irgendwelcher Sägeblätter oder Methoden eine Maschinenhalterung zu konstruieren diskutieren, versuche ich wenigstens so zu tun, als ob ich annähernd wüsste, worüber sie reden und schlürfe genüsslich meinen Kaffee. Momentan stecken wir mitten im Ausstellungsaufbau – es ist so schön zu sehen, wie die Hirngespinste, die wir noch vor Monaten lediglich als Idee in unserem Kopf hatten nun tatsächlich so aufgebaut werden und Realität sind und somit alles Form annimmt. Aber auch die Seminare, die alle paar Monate stattfinden, werde ich nicht vergessen, bei denen ich Freunde gefunden habe, die genauso quer denken wie ich und mit denen ich glaub ich noch lange in Kontakt stehen werde.

Wie startet und endet ein typischer Arbeitstag in deiner Einsatzstelle?

Er beginnt eigentlich grundsätzlich damit, dass ich die erste im Büro bin, die Kaffeemaschine in Gang setze, alle Fenster aufreiße und meine Mails beantworte. Der Abschluss eines jeden Tages besteht meistens darin, dass ich merke wie ich mal wieder ordentlich Überstunden aufbaue, weil ich „Noch mal eben dies und das“ mache, obwohl ich mir heute vorgenommen hatte, eher Feierabend zu machen – mies. Trotzdem fahre ich anschließend gut gelaunt nach Hause, indem ich unsere Privatampel vom Geländer runter nutze.

An einem freien Tag…

…der eigentlich immer das Wochenende beinhaltet, bin ich entweder in meinem Zweitjob kellnern, oder ich schlafe mal aus und versuche meine Freizeit möglichst effizient zu nutzen, indem ich meine Freunde treffe und zu Hause schon lang geplante Dinge erledige.

Wem würdest du ein FSJ Kultur weiterempfehlen?

Man sollte definitiv eigenständig und kleines bisschen (oder ganz viel) verrückt sein, damit die Seminare und das Arbeiten in der Einsatzstelle ein voller Erfolg wird und die kurzen 12 Monate sinnvoll und so lustig wie möglich für alle Beteiligten gestaltet werden. Aber eigentlich allen jungen Erwachsenen, die nach der Schule nicht direkt in den Beruf oder das Studium steigen möchten, Einblicke in die Kulturarbeit bekommen wollen, oder einfach mal ein Jahr ihre Zeit sinnvoll nutzen möchten (eventuell weil sie zu wenig Geld für ein gap year in Australien haben – aber nur eventuell) – aber es lohnt sich auf jeden Fall!

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